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Von der Idee zur .app: Vibe Coding, mein Stack und ein paar kleine Produkte

Ich baue seit einer Weile kleine, eigenständige Web-Apps. Keine großen Plattformen, keine Startups mit Team, sondern fokussierte Produkte für eng umrissene Zielgruppen. Alle leben unter einer eigenen .app-Domain, alle laufen auf demselben schlanken Fundament, und alle sind schneller entstanden, als es noch vor zwei Jahren möglich gewesen wäre. Dieser Beitrag ist ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen: wie ich arbeite, womit, und was ich dabei gelernt habe.

Warum klein, warum eigenständig

Der Reiz liegt für mich in der Klarheit. Ein kleines Produkt hat eine klare Aufgabe, eine klare Zielgruppe und ein klares Ende. Ich kann es allein bauen, allein betreiben und allein verstehen. Statt ein Werkzeug für alle zu bauen, löse ich lieber ein konkretes Problem für eine bestimmte Gruppe richtig gut. Das macht die Entwicklung überschaubar und die Produkte ehrlich.

Der Stack in einem Absatz

Ich setze durchgehend auf einen bewusst reduzierten Aufbau: React im Frontend, dazu die Serverless-Infrastruktur von Cloudflare mit Workers, der Datenbank D1 und dem Objektspeicher R2. Kein eigener Dauerserver, keine schwere Infrastruktur, kein Wartungsapparat im Hintergrund. Jede App ist zugleich eine installierbare Progressive Web App, funktioniert also auf Handy und Desktop wie eine native Anwendung. Der Vorteil dieses Ansatzes ist nicht nur technischer Natur: Er hält die laufenden Kosten nahe null und die geistige Last niedrig. Ich kann mich auf das Produkt konzentrieren statt auf den Betrieb.

Was Vibe Coding für mich bedeutet

Vibe Coding ist zum Schlagwort geworden, und wie bei jedem Schlagwort lohnt sich der ehrliche Blick. Für mich heißt es nicht, das Denken abzugeben. Es heißt, dass ich mit KI-Unterstützung viel schneller vom Konzept zum lauffähigen Stand komme. Die eigentliche Arbeit verlagert sich: weg vom Zeilen-für-Zeilen-Tippen, hin zum klaren Durchdenken, Spezifizieren und Entscheiden. Wer genau weiß, was er will, und es sauber beschreiben kann, bekommt heute in Tagen, wofür man früher Wochen brauchte.

Der wichtigste Effekt ist psychologisch. Die Hürde, eine Idee tatsächlich auszuprobieren, ist drastisch gesunken. Eine Idee, die mich morgens reizt, kann abends ein klickbarer Prototyp sein. Das verändert, welche Projekte überhaupt entstehen, weil sich auch kleine, ungewöhnliche Nischen plötzlich lohnen.

Die Projekte

Ein paar der Apps, die so entstanden sind:

Klafterly ist eine Verwaltung für Brennholzbetriebe, mit Umrechnung zwischen den Holzmaßen, Chargen mit Trocknungsstatus und Rechnungen. Ein sehr bodenständiges Thema, das digital erstaunlich unterversorgt war.

Kalibo hilft privaten, legalen Waffenbesitzern, den Überblick über die vielen gesetzlichen Fristen und Nachweise zu behalten. Hier stand von Anfang an Vertrauen im Mittelpunkt, entsprechend sorgfältig ist der Umgang mit den Daten gelöst.

Justage richtet sich an kleine Abfüller wie Röstereien oder Manufakturen und übernimmt die vorgeschriebene Füllmengenkontrolle: messen, prüfen, ein sauberes Protokoll erzeugen. Ein Nischenthema mit echtem Rechen-Kern.

Botnetic ist der Ausreißer und mein Spaßprojekt: ein endloses Aufbauspiel im Browser mit Hacker- und KI-Thema. Kein Geschäftsmodell, sondern die Freude daran, dass genau derselbe Stack auch ein Spiel tragen kann.

Brennerly unterstützt kleine Obstbrenner und Stoffbesitzer bei Ausbeute, Steuer und den jährlichen Brennmengen-Kontingenten, ein klassisches Nischenthema, bei dem bisher nur Zollformulare und Zettel helfen.

So unterschiedlich die Themen sind, das Muster dahinter ist immer gleich: eine klare Aufgabe, ein schlankes Fundament, schnell umgesetzt.

Was ich dabei gelernt habe

Die ehrlichste Erkenntnis: Bauen ist heute der einfache Teil. Die Technik steht selten im Weg. Die eigentliche Herausforderung beginnt danach, nämlich die richtigen Menschen zu erreichen und herauszufinden, ob ein Produkt wirklich gebraucht wird. Ein schneller Stack und KI-Unterstützung lösen das Entwicklungsproblem, nicht das Vertriebsproblem. Diese Trennung klar zu sehen, war für mich der wichtigste Lernschritt.

Das zweite: Kleine, verteidigbare Nischen sind mehr wert als große, offensichtliche. Wo eine echte fachliche Logik steckt, eine besondere Berechnung, eine Regel, eine Frist, ist ein kleines Tool schwer zu ersetzen. Genau dort fühle ich mich am wohlsten.

Ausblick

Ich baue weiter, in kleinen Schritten, mit demselben Fundament. Jede neue .app ist ein Experiment: Löst sie ein echtes Problem, findet sie ihre Leute? Manche werden bleiben, manche nicht, und beides ist in Ordnung. Der eigentliche Gewinn ist die Geschwindigkeit, mit der ich Ideen heute in die Wirklichkeit bringen kann, und die Neugier, die dabei nie ausgeht.

Wenn dich eines der Projekte anspricht, schau gern vorbei. Und wenn du selbst mit dem Gedanken spielst, etwas Kleines zu bauen: Die beste Zeit, anzufangen, war noch nie so günstig wie jetzt.